Grosses Interview mit Christian Klein zum Rückrundenstart
von Fabian Helfenberger
1. Christian, du bist seit Januar 2026 Cheftrainer der ersten Mannschaft und gleichzeitig sportlicher Leiter Aktive und Junioren. Wie hast du die ersten Wochen in dieser Doppel- bzw. Dreifachrolle persönlich erlebt?
Zum Start lag der Fokus auf den Aktiven und es gab viele Dinge für die Winterpause und die Rückrunde zu planen. Es war ein intensiver, jedoch sehr angenehmer und guter Start. Ich wurde von allen Seiten sehr gut aufgenommen und geniesse diese familiäre, zielorientierte Atmosphäre beim SC Berg. Es war von Anfang an auf Führungsebene ein harmonisches Miteinander. Alle packen an.
2. Was hat dich gereizt, die zusätzliche Verantwortung als sportlicher Leiter zu übernehmen?
Ich habe mich ganz bewusst für die Übernahme dieser drei Rollen entschieden und wusste, worauf ich mich einlasse. Ein grosses Dankeschön geht hier auch an Carlos, meinen Vorgänger, der mir ein gutes Fundament bei der ersten Mannschaft hinterlassen hat, auf dem ich aufbauen konnte. Viel herausfordernder ist die Rolle als sportlicher Leiter im Juniorenbereich. Da haben wir doch einiges aufzuarbeiten und es gibt vieles zu optimieren.
Überzeugt haben mich die vielen Gespräche mit allen Vereinsebenen, der Hunger nach mehr erreichen zu wollen, sowie die gute Basis, die beim SC Berg in den letzten Jahren geschaffen wurde. Hier wollen alle etwas erreichen. Ich kann mich mit meiner Erfahrung perfekt einbringen und dem Verein weiterhelfen. Die Rollen mit einer Person zu besetzen erleichtert den gesamten Prozess und lässt uns zu Beginn schneller vorwärtskommen. Jedoch ist es nicht das Ziel, daraus eine One-Man-Show zu machen. Es geht nicht um mich als Person, sondern um den Verein und die Kinder, Jugendlichen sowie die aktiven Spieler und Mitglieder. Es geht darum, sich als familiärer Ausbildungsverein in der Region zu positionieren und zu etablieren und etwas Nachhaltiges zu hinterlassen. Die zweiten 50 Jahre einzuleiten.
3. Wenn du auf deine neue Funktion blickst: Was sind aktuell deine wichtigsten Aufgaben im sportlichen Bereich?
In der ersten Mannschaft war es ganz klar: Es galt die Mannschaft in den Bereichen Fitness, Defensivarbeit, Spielaufbau und vor allem mental für die Rückrunde fit zu machen. Das ist uns, denke ich, ganz gut gelungen. Hier konnten wir bereits grosse Fortschritte erzielen.
Jetzt liegt der Fokus darauf, die Mannschaft in diesen Bereichen zu stabilisieren, Automatismen hineinzubringen und bei der sehr jungen Mannschaft den Glauben an die eigenen Stärken zu festigen.
4. Welche Themen hast du seit deinem Start bereits konkret angestossen oder verändert?
Wir haben ein neues Konzept entwickelt, das bereits Anfang Januar verabschiedet wurde. Mitte Januar wurde es der Juniorenabteilung präsentiert. Bis heute lag der Fokus darauf eine Bestandsaufnahme zu machen und mir einen Überblick über die Ist-Situation in allen Bereichen zu verschaffen.
Mit unserem Vorstand Sport, Christoph Berglas, habe ich eine grossartige Unterstützung an meiner Seite. Wir haben mit allen internen und auch schon einigen externen Personen Gespräche geführt. Am Samstag, 28. März, steht die erste interne Trainerschulung auf dem Programm.
Die SC Berg Fussballschule wurde gegründet und startet mit ihrem Fördertraining bereits ab Mai. Eigene Feriencamps sind in Planung. Nun gilt es, auf allen Positionen die richtigen Trainer zu finden und alle Rollen zu besetzen.
Eine sehr grosse Veränderung steht ab Sommer an: Wir arbeiten mit Hochdruck an der Gründung einer weiteren Aktivmannschaft. Wir werden mit einer U23 an den Start gehen. Diese soll der ersten Mannschaft als Unterbau dienen und jungen Talenten aus dem Verein oder der Umgebung als Sprungbrett und Entwicklungsmöglichkeit dienen. Das sind die grössten Themen neben vielen weiteren.
5. Wo siehst du aktuell die grössten Hebel, um den Verein sportlich weiterzuentwickeln?
Ganz klar auf den Trainerpositionen. Hier haben wir im Juniorenbereich noch viel Potenzial. Bis zum Sommer gilt es die Anzahl an Trainern zu erweitern und die Anforderungen an die Trainingsqualität zu erhöhen.
Wir haben in den letzten Jahren sehr vieles richtig gemacht. Alle A-Teams sind in die Promotion aufgestiegen. Jetzt gilt es, das zu stabilisieren und sicherzustellen, dass jeder Trainer bereit ist, sich stetig weiterzuentwickeln. Weiterbildungen, höhere Trainingsqualität und eine bessere Zusammenarbeit untereinander sind zentrale Punkte.
6. Welche Perspektive und sportliche Vision hast du für den Verein in den nächsten Jahren?
Unser Konzept ist langfristig auf die nächsten zehn Jahre ausgerichtet. Das erste grosse Ziel ist die Gründung der U23, die im Sommer an den Start gehen soll. Junge Talente sollen an die erste Mannschaft herangeführt werden und eine gute Ausbildung sowie eine Plattform erhalten.
Dieses Team soll möglichst schnell den Aufstieg in die 4. Liga schaffen. Mittelfristig wollen wir uns in allen Teams klar in der Promotion etablieren. Am Ende geht es darum, nachhaltig sicherzustellen, dass wir weiterhin viele eigene Spieler in die erste Mannschaft integrieren können.
Wenn junge Talente aus der Region einen Verein suchen, soll der SC Berg einer der ersten Namen sein, der ihnen in den Sinn kommt.
7. Was soll sich aus deiner Sicht mittelfristig im Verein spürbar verbessern oder verändern?
Die grosse Herausforderung ist, dass wir das alles noch ohne grosse finanzielle Mittel schaffen müssen. Deshalb braucht es jedes einzelne Mitglied. Ob bei Helfereinsätzen an Spieltagen im Kiosk, beim Kuchenbacken oder bei Fahrdiensten im Juniorenbereich: Wir sind auf Unterstützung angewiesen.
Hier haben wir noch Potenzial, da sich die Aufgaben aktuell auf zu wenige Schultern verteilen und oft die gleichen Eltern im Einsatz sind. Mittelfristig gilt es zudem, durch entsprechendes Sponsoring das Budget zu erhöhen, um guten Juniorentrainern eine angemessene Aufwandsentschädigung zahlen zu können.
Für uns als familiärer Verein ist es jedoch sehr wichtig, dass sich noch mehr Eltern engagieren. Je mehr wir die Aufgaben auf viele Schultern verteilen können, desto geringer ist die Belastung für den Einzelnen.
8. Wechseln wir zur ersten Mannschaft: Wie fällt dein Fazit nach den Vorbereitungsspielen aus?
Ich bin selten begeistert und will immer mehr. In diesem Fall muss ich jedoch sagen, dass es fantastisch war, wie gut die Mannschaft mitgezogen hat. Meine Planung ist voll aufgegangen.
Wir haben im Trainingslager unseren Peak erreicht, sind danach in ein kleines Tief gefallen und haben uns daraus sehr gut wieder herausgearbeitet. Die Mannschaft beginnt wieder an sich zu glauben, spielt wieder Fussball und traut sich mehr zu.
Ich freue mich auf das erste Spiel in Herisau und hoffe für die Jungs, dass sie die Leistungen aus der Vorbereitung auf den Platz bringen und sich für die harte und intensive Arbeit belohnen.
9. Wo steht das Team aktuell und in welchen Bereichen siehst du noch Potenzial vor dem Saisonstart?
Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung, können aber noch keine 90 Minuten das Tempo gehen, das ich mir vorstelle. Zudem fehlt uns noch die Feinabstimmung in der Defensive, das Pressingverhalten muss optimiert werden und auch im Spielaufbau sowie bei Standards stehen wir noch am Anfang.
Es gibt noch viel zu tun. In acht Wochen kann man nicht alles gleichzeitig verändern, deshalb musste ich Prioritäten setzen. Dennoch sind wir bereits deutlich weiter, was sehr positiv ist.
Wir haben noch viel Potenzial im Team. Die Jungs machen grosse Freude und sind sehr lernbereit. Vor der Vorbereitung standen wir bei etwa 20 Prozent, jetzt sind wir bei rund 60 Prozent angekommen.
10. Mit welchem Gefühl und welchen Erwartungen gehst du in den Saisonstart?
Mit einem sehr guten Gefühl. Wir wissen genau, wo wir stehen, was wir bereits können und was uns aktuell noch fehlt. Der aktuelle Stand passt, um einen guten und positiven Start in die Rückrunde zu erreichen.